Direktvermarktung

Direktvermarktung & Netzanschluss für gewerbliche PV ab 100 kWp

PV ab 100 kWp: Wie Direktvermarktung, Marktprämie und Netzanschluss funktionieren, was Mittelspannung kostet und worauf Du bei der Planung achten musst.

Ab 100 kWp installierter Leistung muss der Überschussstrom einer PV-Anlage in die Direktvermarktung: Ein Direktvermarkter verkauft ihn an der Strombörse, Du bekommst den Börsenerlös plus eine staatliche Marktprämie. Technisch braucht die Anlage Fernsteuerbarkeit und eine viertelstundengenaue Messung. Oft kommt ein Mittelspannungs-Netzanschluss dazu, der je nach Entfernung zur Trafostation 10.000 bis 50.000 € kostet.

Ab wann Direktvermarktung Pflicht ist

Seit 2016 schreibt das EEG vor, dass neu in Betrieb genommene Anlagen ab 100 kWp installierter Leistung ihren eingespeisten Strom über die Direktvermarktung verkaufen müssen. Für Betriebe ist das die zentrale Schwelle, an der eine Gewerbeanlage regulatorisch anspruchsvoller wird. Wie sich die Größenklassen insgesamt unterscheiden, steht im Überblick Photovoltaik für Unternehmen.

Wichtig zum Verständnis: Die Pflicht betrifft den eingespeisten Überschuss, nicht Deinen Eigenverbrauch. Je höher Deine Eigenverbrauchsquote, desto weniger Strom läuft überhaupt durch die Direktvermarktung. Deshalb bleibt die erste Stellschraube auch bei großen Anlagen der Eigenverbrauch, nicht der Stromverkauf.

Wie Direktvermarktung funktioniert

Statt einer festen Einspeisevergütung vom Netzbetreiber übernimmt ein Direktvermarkter den Verkauf Deines Stroms an der Strombörse (EPEX Spot). Er kümmert sich um Prognose, Vermarktung und Abrechnung. Du bekommst zwei Komponenten:

  • Börsenerlös: den Preis, den Dein Strom am Markt erzielt.
  • Marktprämie: eine staatliche Prämie, die die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Börsenpreis und dem gesetzlich festgelegten anzulegenden Wert ausgleicht.

Der anzulegende Wert entspricht in etwa der früheren festen Einspeisevergütung und wird zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme für 20 Jahre festgeschrieben. Unterm Strich bekommst Du also eine ähnliche Absicherung wie bei der festen Vergütung, nur läuft die Abwicklung über den Markt.

Technische Voraussetzungen

Damit ein Direktvermarkter Deine Anlage vermarkten kann, muss sie zwei Bedingungen erfüllen:

  • Fernsteuerbarkeit: Der Direktvermarkter muss die Anlage aus der Ferne regeln können, etwa bei negativen Börsenpreisen abregeln. Dafür ist eine entsprechende Steuertechnik nötig.
  • Registrierende Leistungsmessung (RLM): Ein Zähler, der die eingespeiste Leistung in Viertelstunden-Intervallen erfasst. Das ist dieselbe Messung, die auch beim Peak Shaving auf der Bezugsseite eine Rolle spielt, mehr dazu im Ratgeber Gewerbespeicher & Peak Shaving.

Netzanschluss ab 100 kWp: Nieder- oder Mittelspannung?

Je größer die Anlage, desto eher reicht der normale Niederspannungsanschluss nicht mehr. Dann ist ein Anschluss an die Mittelspannungsebene nötig, mit eigener Trafostation.

Aspekt Niederspannung Mittelspannung
Typisch bis rund 100 bis 135 kW Einspeiseleistung darüber
Zusatzkosten gering 10.000 bis 50.000 € (je nach Entfernung zur Trafostation)
Trafostation nicht nötig erforderlich
Vorlaufzeit kurz länger, wegen Netzverträglichkeitsprüfung

Vor dem Anschluss steht die Netzverträglichkeitsprüfung des Netzbetreibers: Sie klärt, ob und in welcher Leistung eingespeist werden darf. Diese Prüfung braucht Zeit und sollte früh angestoßen werden, sie ist oft der zeitkritische Punkt im Projektablauf. Was die Anlage selbst kostet, steht im Ratgeber Solaranlage aufs Gewerbedach.

Ab 750 kWp: die Ausschreibungspflicht

Für sehr große Anlagen ab 750 kWp greift zusätzlich die Ausschreibungspflicht: Die Vergütung wird dann nicht mehr gesetzlich festgelegt, sondern in wettbewerblichen Ausschreibungen der Bundesnetzagentur bestimmt. Das ist Projektgeschäft für große Freiflächen und Industriedächer und liegt oberhalb des typischen Gewerbedach-Segments.

Was das für Deine Planung bedeutet

Für die Praxis heißt das: Sobald Deine Anlage die 100-kWp-Marke überschreitet, kommen Direktvermarktung, Fernsteuerbarkeit, RLM-Messung und eventuell ein Mittelspannungsanschluss ins Spiel. Das ist kein Hindernis, aber es will früh geplant sein, vor allem die Netzverträglichkeitsprüfung. Wer knapp über 100 kWp landet, sollte prüfen, ob die zusätzliche Leistung den Mehraufwand wert ist oder ob eine etwas kleinere Auslegung wirtschaftlicher wäre.

Häufige Fragen zu Direktvermarktung und Netzanschluss

Ab welcher Leistung ist die Direktvermarktung Pflicht?

Ab 100 kWp installierter Leistung müssen neu in Betrieb genommene Anlagen ihren eingespeisten Überschussstrom über die Direktvermarktung verkaufen. Statt fester Einspeisevergütung erhältst Du den Börsenerlös plus eine staatliche Marktprämie. Dein Eigenverbrauch ist davon nicht betroffen.

Was ist die Marktprämie?

Die Marktprämie gleicht die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Börsenpreis und dem gesetzlich festgelegten anzulegenden Wert aus. Der anzulegende Wert wird zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme für 20 Jahre fixiert und wirkt wie eine Absicherung ähnlich der früheren festen Einspeisevergütung.

Was kostet ein Mittelspannungs-Netzanschluss?

Je nach Entfernung zur nächsten Trafostation und den örtlichen Netzverhältnissen 10.000 bis 50.000 €. Er wird nötig, wenn die Einspeiseleistung über das hinausgeht, was der Niederspannungsanschluss aufnehmen kann, meist oberhalb von rund 100 bis 135 kW.

Welche Technik braucht meine Anlage für die Direktvermarktung?

Zwei Dinge: eine Fernsteuerbarkeit, damit der Direktvermarkter die Anlage aus der Ferne regeln kann, und eine registrierende Leistungsmessung (RLM), die die eingespeiste Leistung viertelstundengenau erfasst. Beides wird bei der Planung berücksichtigt.

Was ist die Netzverträglichkeitsprüfung?

Eine Prüfung des Netzbetreibers, ob und in welcher Leistung Deine Anlage einspeisen darf, ohne das Netz zu überlasten. Sie ist Voraussetzung für den Netzanschluss und braucht Vorlaufzeit. Bei größeren Anlagen ist sie oft der zeitkritische Punkt im Projekt und sollte früh angestoßen werden.

Fazit: ab 100 kWp gehört die Vermarktung in die Planung

Die Direktvermarktung klingt komplizierter, als sie in der Praxis ist: Ein Direktvermarkter übernimmt Handel und Abrechnung, die Marktprämie sichert Dich ähnlich ab wie früher die feste Vergütung. Der zeitkritische Teil ist meist der Netzanschluss samt Verträglichkeitsprüfung. Wer das früh einplant, vermeidet Verzögerungen.

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Green Monkeys Energy Wir planen gewerbliche PV-Anlagen über die 100-kWp-Schwelle hinaus und übernehmen Auslegung, Anmeldung und die Abstimmung mit Netzbetreiber und Direktvermarkter. Unser Ziel ist eine Anlage, die technisch sauber angeschlossen und wirtschaftlich optimal vermarktet ist.

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